⸻ Publiziert: 19.01.2026
Optische Sortierung in zwei unterschiedlichen Linienkonfigurationen
Flexibilität und Kapazität mit der Optica CS und Q. Die optische Sortierung sorgt für einen deutlichen Zuwachs an Kapazität, Qualität und Flexibilität einer Sortierlinie. Genau dieser letzte Vorteil war ausschlaggebend für die Entscheidungen von zwei Pflanzkartoffelerzeuger aus der niederländischen Provinz Flevoland. Während sich der eine Ackerbauer für eine vollständige optische Sortierung mit der Optica CS und Q entschied, wählte der andere ein hybrides System bestehend aus optischer und mechanischer Sortierung. Kürzlich trafen wir uns mit beiden Tolsma-Grisnich-Anwendern zu einem Gespräch bei einer Tasse Kaffee. „Die Rechnung war einfach: mehr Pflanzkartoffeln in der richtigen Größe sortiert – mit weniger Arbeitskräften an der Sortierlinie.“
Als 2019 die Zeichnungen für einen neuen Lagerstandort bei der Maatschap Fazembra in Emmeloord entstanden, wurde von Beginn an auch eine neue Sortierlinie berücksichtigt. Der bewährte Rüttelsortierer aus dem Jahr 2001 sollte ersetzt werden, da er den steigenden Kapazitätsanforderungen des Betriebs nicht mehr gerecht wurde.
„Wir arbeiteten mit einer Kapazität von acht bis zehn Tonnen pro Stunde“, erklärt Ackerbauer Gert-Jan Haenen. „Das bedeutete, dass wir praktisch den ganzen Winter sortierten – von der Ernte bis zur Pflanzung. Außerdem wollten wir eine optische Sortierung in die Linie integrieren.“
Dieser Schritt wurde kürzlich umgesetzt. Ende Oktober nahm Haenen eine neue Tolsma-Grisnich-Sortierlinie in Betrieb, mit der jährlich Pflanzkartoffeln von rund 80 ha sortiert werden.
Eine flexible Sortierlinie
Die Linie kombiniert einen mechanischen Größensortierer mit dem optischen Qualitätssortierer Optica Q. Das Produkt kann den Optica Q über vier verschiedene Wege erreichen: direkt vom Größensortierer, über einen 6,5-Tonnen-Pufferbunker, über einen separaten Bunker oder über den Kistenkipper.
„Partien mit mehr Erde laufen beispielsweise über den Pufferbunker, empfindliche Chargen mit leichter Schalenablösung hingegen nicht. Druckempfindliche Partien werden über den Kistenkipper geführt, um die Fallhöhe zu minimieren. Übergrößen können bei Bedarf später kontrolliert werden. So kann ich für jede Partie den optimalen Weg wählen.“
Einfache Bedienung
Ein am Gabelstapler montiertes Tablet ermöglicht es einem einzigen Bediener, den gesamten Sortierprozess zu steuern. Die Routen können ausgewählt und die Empfindlichkeit des Optica Q angepasst werden. Die Maschine erstellt fünf Bilder von jeder Kartoffel und bewertet diese auf Krankheiten, Beschädigungen und Formabweichungen.
Ein intelligenter Algorithmus vergleicht diese Bilder mit einer Datenbank, die von weltweit 150 Optica-Q-Sortierern gespeist wird. Der Landwirt kann anschließend festlegen, wie streng sortiert wird – auf einer Skala von null bis hundert. In einem Durchgang wird das Produkt in drei Ausgänge aufgeteilt: marktfähiges Pflanzgut, Kluten sowie Futterware (B-Qualität).
Das System ermöglicht es außerdem, durch die letzten zweitausend Kartoffeln zu scrollen – jede Kartoffel ist mit fünf Bildern hinterlegt.
„So bleibt das Verständnis für die Maschine erhalten und der Prozess lässt sich einfach feinjustieren.“
Kontinuierliches Lernen
Jedes vom System erfasste Bild trägt zur Weiterentwicklung der KI-Modelle bei. Regelmäßig werden Software-Updates durchgeführt. Eine kürzliche Aktualisierung verbesserte beispielsweise die Erkennung von Drahtwurmlöchern, außerdem kann das System mit Bildern aus atypischen Partien weiter trainiert werden.
„Im Hintergrund trainiert unser Team die Software kontinuierlich weiter“, ergänzt Jens Salomons, Account Manager bei Tolsma-Grisnich. „Das tun wir gemeinsam mit unseren Kunden. Es ist eine starke Zusammenarbeit, denn wir alle wollen, dass das System optimal funktioniert.“
Gleichzeitig überwacht das Customer-Service-Team von Tolsma-Grisnich die Leistung der Anlage aus der Ferne. Spezialisten stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Bei Haenen ging es zuletzt vor allem um die Feinabstimmung der Linie – etwa um Sensoren und Bandgeschwindigkeiten.
„Wenn es ein Problem gibt, sind sie schnell erreichbar. Nach jahrelangem Abwägen bin ich froh über diese Entscheidung. Wir arbeiteten bereits bei der Lagerung mit Tolsma zusammen und kannten Grisnich aus industriellen Anwendungen mit großen Durchsätzen. Deshalb hatten wir volles Vertrauen in Kapazität und Qualität.“
Maßgeschneidert für den Betrieb
Der Optica Q lässt sich flexibel in bestehende Sortierlinien integrieren und in unterschiedlichen Konfigurationen einsetzen. Haenen entschied sich bewusst für die Kombination mit einem mechanischen Größensortierer, um die Linie kompakt zu halten.
„So habe ich jederzeit Überblick über alle Kisten und einfachen Zugang mit dem Gabelstapler. Wir haben auch über die Optica CS nachgedacht, aber ein mechanischer Größensortierer passt besser zu diesem Betrieb. Die Kapazität ist höher – wir konnten sie sogar verdoppeln. Außerdem liegt ein optischer Größensortierer in einer anderen Preisklasse.“ Für andere Betriebe kann jedoch eine vollständig optische Lösung attraktiver sein.
Zwei optische Sortierer im Praxiseinsatz
Um eine solche Anlage zu sehen, besuchten wir Adriaan Boudeling von Poters van Piet in Swifterbant, Niederlande, der ebenfalls in diesem Herbst eine neue Tolsma-Grisnich-Sortierlinie in Betrieb nahm.
„Wir arbeiteten jahrelang mit Sortierlinien von Schouten – das war bereits die zweite auf unserem Betrieb“, erklärt Boudeling. „Sie waren immer unsere erste Wahl. Als wir über optische Größensortierung nachdachten, war die Entscheidung für die Optica CS daher naheliegend.“
Für den Qualitätssortierer wurden zwar auch andere Marken in Betracht gezogen, letztlich entschied sich Boudeling jedoch für die Kombination aus Optica CS und Q.
„Mit dem Kartoffel-Know-how, der Technologie und der Kapazität, die Tolsma-Grisnich im eigenen Haus vereint, und weil wir lieber mit einem einzigen Partner für die gesamte Linie arbeiten, war die Wahl klar.“
Eine klare Wunschliste
Vor dem Bau hatte der Landwirt eine umfangreiche Wunschliste. Die Linie sollte flexibel sein, mit mehreren Wegen zum Optica Q, ohne jedoch zu einem ‚Labyrinth‘ zu werden. Das Ergebnis ist ein übersichtliches Layout mit geradlinigen Produktströmen, effizienter Raumnutzung und nur einer Person, die für den gesamten Prozess verantwortlich ist.
„Deshalb wollten wir ein Start-Stopp-System, bei dem die gesamte Linie anhält, wenn eine Kiste voll ist, und automatisch wieder startet, sobald sie ausgetauscht wird. Eine Person kann die Kisten bewegen, ohne den Gabelstapler zu verlassen. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber ziemlich komplex.“
Gemeinsam mit den Spezialisten von Tolsma-Grisnich wurden mehrere Entwürfe diskutiert.
„Wir haben etwa sechs verschiedene Zeichnungen durchgesprochen und selbst während des Baus noch Anpassungen vorgenommen. Aber jetzt, wo alles läuft, bin ich äußerst zufrieden. Die Inbetriebnahme verlief reibungslos, und wir hatten keine Ausfallzeiten.“
Sortierung in der Praxis
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs sortierte die Optica CS in fünf Größenklassen, mit doppelten Ausläufen für die beiden gängigsten Größen. Die Größe 45/55 läuft direkt über einen Pufferbunker zum Optica Q. Andere Größen werden später qualitätsgesichtet – wenn es in die Planung passt oder kurz vor der Auslieferung.
Pflanzkartoffeln, die direkt über den Optica Q laufen, werden am Ende der Linie in Big Bags, Säcke oder Kisten verpackt.
Zahlen, die für sich sprechen
Früher arbeiteten von Mitte Oktober bis Anfang März zwei Mitarbeiter neben dem Gabelstaplerfahrer im Kontrollraum. Heute ist nur noch der Staplerfahrer erforderlich, da die manuelle Kontrolle weitgehend entfällt.
„Die Rechnung war schnell gemacht“, sagt Boudeling. „Mit der Optica CS erwarten wir, zehn Prozent mehr Pflanzkartoffeln in der richtigen Größe auszuliefern. Die Maschine ist genauer als ihr mechanischer Vorgänger, und weniger Kartoffeln landen in niedrigeren Wertklassen. In einem Jahr wie diesem zählt jede Kartoffel in der richtigen Größe. Mit der Optica Q liegt der größte Vorteil in der Arbeitsersparnis.“
Zusätzlich liefert die optische Linie wertvolle neue Daten. Rund 4.500 Tonnen Pflanzkartoffeln pro Saison – vollständig aus eigener Vermehrung beginnend mit Minituberkeln ? – laufen über die Anlage.
„Genau zu wissen, wie sich Größen- und Qualitätsverteilung darstellen, ermöglicht uns eine wesentlich präzisere Anbauplanung.“
Maatschap Fazembra
- Sortierlinie: Mechanischer Größensortierer + Optica Q
- Layout: Kompakt, flexibel und übersichtlich
- Ziel: Höhere Kapazität bei geringerem Arbeitsaufwand
Poters van Piet
- Sortierlinie: Optica CS + Optica Q
- Layout: Automatisches Start-Stopp-System, geradlinige und übersichtliche Produktströme, sehr flexibel
- Ziel: Mehr Pflanzkartoffeln in der richtigen Größe, mit nur einer Person an der Linie
Source: Akkerbouwkrant editie december 2025